So entstehen die sensationellen Tierfotos!

Als ich vor ein paar Wochen in den Everglades (Florida/USA) unterwegs war, wurde ich – zumindest was die Entstehung grandioser Tierfotos angeht – mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Bei wilden Alligatoren und seltenen Vögeln, die tatsächlich in freier Wildbahn und nicht zusammengepfercht in irgendeinem Zoo leben, geht man ja grundsätzlich davon aus, dass eine Ablichtung solcher Kreaturen nur nach monatelanger Vorbereitung und dem Einsatz des eigenen Lebens möglich ist.

Stundenlanges Ausharren im Tarnzelt bei unmenschlichen Temperaturen und dem Angriff tausender Stechmücken in absoluter Einsamkeit können Dich als Naturfotografen dann möglicherweise mit einem Knallerbild belohnen. Zu Recht, denn die Ausrüstung wurde tagelang unter dem Einsatz höchster Anstrengungen in die tiefste Wildnis abseits jeglicher menschlicher Zivilisation geschleppt…

Zugegebenermaßen wird ein geringer Teil derartiger Tierfotos unter den dargestellten Umständen fotografiert. Für die Masse „guter“ Bilder gelten allerdings andere Voraussetzungen:

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Da sitzt dann einer gut im Futter stehender Fotograf (man möge mir diese Bezeichnung verzeihen) ganz gemütlich in seinem Campingstuhl und lässt sich von seiner Frau alle 30 Minuten eine frische Speicherkarte reichen. Die 600 mm sind auf eine Gruppe sich sonnender Alligatoren gerichtet und wenn einer dieser Tiere für gefühlte 1,5 Sekunden das Maul aufreißt, hört man die 12 Bilder/Sekunde.

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Dem späteren Betrachter ist es egal, unter welchen Umständen derartige Bilder fotografiert werden. Ärgerlich ist nur, wenn es in der Bildunterschrift noch heißt:“Everglades (Florida-USA). In freier Natur fotografiert“. Dann lieber gar nichts dazu schreiben. Das vorliegende Alligatorenbild, was primär dem Zweck der Illustration dienen soll und keinesfalls den Anspruch eines sensationellen Tierfotos hat, ist übrigens mit einem 24-70 mm bei 0.5 Bilder/Sekunde entstanden und im Ausschnitt etwas „vergrößert“ worden.

Illusion ist alles…

PS: Kein ernsthafter Natur- und Tierfotograf sollte sich durch meinen kleinen Bericht angegriffen fühlen. Es ist wie es ist und eigentlich zählt ja nur das Ergebnis. Egal wie es entstanden ist.


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