Ein gutes Naturbild…

…entsteht in den meisten Fällen nicht zufällig beim Vorbeifahren, auf einer netten Wanderung, im Familienurlaub oder weil man eine gute Kamera besitzt. Gerade letztem Argument begegne ich gerne mit einem Zitat des großen Fritz Pölking:“Wenn Sie einen Formel 1 Wagen besitzen werden Sie auch nicht gleich Weltmeister!“

In den letzen Jahren war ich aufgrund verschiedener Kalenderprojekte immer wieder für ein paar Wochen im Ausland, da komischerweise deutsche Kalenderverlage lieber ferne Welten als deutsche Heimat präsentieren, obwohl gerade die besonders schön ist. Wie auch immer…

Wie viel Vorbereitung, tatsächliche Zeit und vor allem Glück in einem Naturfoto stecken kann, möchte ich am Beispiel des Mesa Arch im Canyonlands National Park (USA) verdeutlichen. Bereits bei der Planung für einen Kalender über den Südwesten der USA war klar, dass dieser (100.000-fach ) fotografierte Natursteinbogen auf einem Kalenderblatt erscheinen musste.

Aber wo befindet sich dieser Bogen überhaupt? Zugegebenermaßen erleichtert uns das heutige Internetzeitalter schon erheblich alle möglichen Recherchearbeiten, so dass die gesuchten Standorte per Google Maps schnell gefunden sind, wobei wirklich viel auf diesen Karten auch nicht zu erkennen ist.

Den Standort gilt es sich zumindest im Groben zu merken, da er auf einer taggenau geplanten Rundreise angesteuert werden muss. Im Vorfeld sollte man sich auch darüber im klaren sein, wann ich wo wie in der Nähe übernachten möchte bzw. muss und sollte eine gefundene Übernachtungsmöglichkeit auch tatsächlich buchen. Stress gibt es auf einer Fotorundreise schon genügend.

Will man ein bestimmtes Motiv im Zeitpunkt des Sonnenaufgangs fotografieren, heißt das bei Nacht und Nebel aufbrechen. Allerdings sollte man genau den Weg kennen, vor allem dann, wenn wie vorliegend der Mesa Arch nicht gerade an einer Straße liegt, sondern erst über einen „kleinen“ Trail erreicht werden kann. Für mich war daher klar, dass für mein Motiv mindestens zwei Tage eingeplant werden mussten. Tag EINS fiel daher der Anreise und einer Vorbesichtigung (bei Tageslicht) zum Opfer, Tag ZWEI begann dann um 02:45 Uhr. Aufstehen, einen schlechten amerikanischen Kaffee im Motelzimmer trinken und ab auf den Highway. Geplant waren ca. 60 Minuten Anfahrt, 20 bis 30 Minuten Fußmarsch (mit Stirnlampe, Stativ und Kameraausrüstung) und etwa 30 Minuten Sicherungspolster, falls etwas schiefgehen würde. Sonnenaufgang sollte um etwa 05:00 Uhr sein. Für diesen Zeitpunkt erhoffte ich mir dann auch meinen sonnendurchfluteten Natursteinbogen. Klar war: ich hatte nur diesen Tag und somit auch nur eine Chance.

Eigentlich ging auch alles glatt. Ich fand meinen Parkplatz, den richtigen Fußweg, wurde von keinem Bären angefallen, ein Kollege (Aik aus Phönix) mit analoger Mittelformatkamera war schon vor Ort (übrigens bereits zum zweiten mal, da am Tag zuvor eine Hochzeitgesellschaft mit 43 Leuten morgens um 05:00 Uhr den Sonnenaufgang genießen wollten), allerdings gab es ein Problem: es war bewölkt!!!

Damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet und war völlig deprimiert. 10.000 km Anreise, knapp 800 Meilen Umweg auf der Rundreise (nur für den Mesa Arch) und dann Wolken. Verzweiflung stieg in mir auf. Es war mittlerweile kurz nach 5:00 Uhr und bereits hell. Die Sonne musste also schon leicht über dem Horizont sein. Von einer rötlichen Verfärbung des Mesa Arch bei Sonnenaufgang, die im Übrigen auch nur wenige Minuten zu bewundern ist, war nichts zu sehen.

Aik hatte bereits seine Kamera im Rucksack verstaut und murmelte etwas von „time is over“ als plötzlich für etwa 20 Sekunden die Sonne hinter einer Wolke herauskam. Bei mir brach Hektik aus, da meine Kamera nebst Stativ an einer völlig anderen Stelle platziert war. An einer Stelle, wo die Sonne nicht wie gewünscht links in der oberen Ecke des Bogens lag, sondern irgendwo in der Bildmitte. Ich riss daher die Kamera mit Stativ hoch, rannte etwa zwei Meter nach links und machte mit dem Kamerastativverbund etwa fünf Bilder aus freier Hand. Dann war die Sonne wieder weg.

Ein erster Blick auf das Display verriet, dass ich verdammt viel Glück hatte.


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