Outsourcing: Bildbearbeitung / Bildretusche im Ausland

Als Fotograf sollte man fotografieren und sich nicht stundenlang mit Photoshop und Co. beschäftigen. Wer meinen Artikel zum Thema „Mit Bildern Geld verdienen – kann man von der Fotografie leben?“ sorgfältig gelesen hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass die tägliche Arbeit eines Fotografen ohnehin schon mit derart vielen „Nebenkriegsschauplätzen“ versehen ist, so dass wirklich zeitaufwendige Arbeiten im Hinblick auf die Optimierung des eigenen Workflows ausgelagert werden müssen.

Und was kostet Zeit? Unter anderem die Bildbearbeitung! Wird beispielsweise im Bereich People eine größere Fotostrecke über vier bis fünf Stunden geshootet und sollen aus den etwa 700 produzierten Bildern 150 verwertet werden, müssen diese für die Abgabe an den Kunden seinen Vorstellungen entsprechend retuschiert werden.

Bis vor etwa zweieinhalb Jahren habe ich die Bildretusche selbst erledigt, was pro Bild etwa 20 bis 30 Minuten in Anspruch genommen hat. Bei 150 Bildern heißt das im Schnitt 62,5 Stunden, mithin fast eine ganze Arbeitswoche (von der 38,5 Stunden Woche träumt der Selbstständige).

Da ich mein Geld durch das Fotografieren und nicht mit der Bildretusche verdiene, sah ich mich gezwungen den Bereich der Bildbearbeitung größtmöglich auszulagern und die gesparte Zeit in gewinnbringendere Arbeiten zu investieren.

Die Bildretusche durch einen lokalen Anbieter erledigen zu lassen kam für mich nicht in Frage, da die Lebenshaltungskosten in Deutschland bzw. den unmittelbar angrenzenden Ländern derart hoch sind, so dass nur bei einem entsprechend (hohen) Stundenlohn kostendeckend gearbeitet werden kann.

Nach längerer Recherche habe ich China, Pakistan und Indien favorisiert und bin schließlich bei Indien hängengeblieben. Warum? Die Auswahl verschiedener Firmen im Bereich der Bildretusche ist sehr vielfältig, es gibt keine großen sprachlichen Barrieren und sämtliche Arbeitsproben wurden sehr schnell bearbeitet.

Der Kontakt zu den einzelnen Dienstleistern gestaltete sich relativ einfach. Google ist Dein Freund. Im Rahmen der ersten Kommunikation übermittelte ich eine Art „Stellenbeschreibung“, aus der klar und eindeutig hervorging was ich wie wollte und welches Budget mir zu Verfügung steht.

Meine nähere Auswahl fiel schließlich auf etwa fünf Anbieter, die nun ihr Können unter Beweis stellen mussten. Ich schickte jeweils zwei Bilder, die genau nach meinen vorherigen Angaben bearbeitet werden mussten. Schließlich bin ich bei zwei Firmen hängengeblieben, mit denen ich nun regelmäßig zusammenarbeite. Für den Datentransfer der Tiff Dateien nach Indien wird ein geschützter FTP Server benutzt, auf welchem die retuschierten Bilder schließlich auch wieder landen. Abgerechnet wird später über Paypal.

Den letzten Feinschliff an den Bildern übernehme ich selber, was etwa einem Zeitaufwand von zwei bis fünf Minuten pro Datei bedeutet. Diese Zeit muss man sich nehmen, da der Bildbearbeiter nicht gegenüber am Schreibtisch sitzt und daher auch keine ständige Kommunikation erfolgt. Trotz allem ist die Zeitersparnis enorm.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass sich natürlich nicht jede Art von Bildretusche für die von mir beschriebene Auslagerung eignet und man jeweils genau mitteilen muss, was wie bis wann erledigt werden soll. Sobald kreative Ansätze oder künstlerische Aspekte die Retusche prägen, sollte man lieber selbst Hand anlegen.

Was kostet die Bildretusche in Indien? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten sondern steht ganz klar im Zusammenhang mit dem benötigten Zeitaufwand für die gewollte Retusche und der Anzahl der zu retuschierenden Bilder. Hierbei sollte man auch ganz realistisch sein. Gute Arbeit gibt es nur für gutes Geld, wobei die Lebenshaltungskosten in Indien natürlich erheblich geringer als in Deutschland sind. Verhandeln sollte man aber auch dort, denn wie überall ist berufsmäßige Fotografie primär Business.


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