Verführen Presets und (EBV) Filter zur ungenauen Arbeit?


Wenngleich ich kein gelernter Fotograf bin, war und ist es bislang noch immer mein Bestreben, ein – zumindest technisch gesehen – einwandfreies Foto zu machen. Dieser Umstand ist wohl auf die Tatsache zurückzuführen, dass ich seit über 20 Jahren Bildagenturen beliefere und dort seit jeher falsch belichtete und unscharfe Bilder sowie Fotos mit extremen Farbverschiebungen abgelehnt wurden. Früher bekam man die Dias zurückgeschickt, heute heißt es nur noch „image rejected“.

Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass sich nur die wirklich erfolgreichen Fotografen, wie zum Beispiel Frank Wartenberg bei seinen diversen Fotostrecken für Picture Press, da Ausnahmen erlauben durften.

Wie sieht die Situation heute aus? Betrachtet man sich die tägliche Bilderflut bei flickr, so ist ein Großteil der Bilder irgendwelchen Presets und Filtern zum Opfer gefallen. Es wird ohne nachzudenken fotografiert und anschließend das Rohmaterial mit Tilt/Shift Effekten, Retrolooks und sonstigen Farbstichen versehen.

Keinesfalls will ich hier als Moralapostel auftreten und den ganzen technischen Krimskrams verdammen. Ganz im Gegenteil. Ein Großteil dieser „Zufallsprodukte“ sieht sehr gut aus und… unterm Strich gesehen zählt ja auch nur das Ergebnis. Egal wie es entstanden ist.

Technisch schlechte Bilder werden digital aufpoliert und sehen plötzlich irgendwie anders, halt ganz gut aus. Aber kann es das sein?

Ich stecke gelegentlich in der Zwickmühle, dass man mit den Mitteln der modernen EBV den eigenen „Ar…“ retten muss. Lag der Weißabgleich bei unmöglichen Mischlichtverhältnissen wieder völlig daneben, hilft als Ergebnis nur noch ein schwarz/weiß Bild.

Überhaupt erwische ich mich in der letzten Zeit immer wieder dabei, mal das ein oder andere Preset in Lightroom zu testen und staune welche abweichenden Bildergebnisse zustande kommen (siehe Bilder oben). Meines Erachtens besteht dabei aber schnell die Gefahr, dass einfach zu ungenau gearbeitet wird und der RAW Entwickler mit seinen verschiedenen Möglichkeiten und Presets es schon irgendwie hinbekommen wird. Ich selber will mich da nicht ausschließen, wenngleich ich diese Vorgehensweise nicht sonderlich gut finde. Bilder entstehen nicht mehr vor dem Fotografieren im Kopf, sondern degradieren zu Produkten des Zufalls.

Daher mein Aufruf: vor dem Druck auf den Auslöser den Kopf einschalten. Ihr werdet sehen, die Ergebnisse werden noch besser 🙂


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